Gib das Mikro aus der Hand! Das ist die Idee, mit der unsere beiden INSPIRE-Projekte in Aalen und Reutlingen an den Start gegangen sind.

Eine der ersten Regeln, die junge Radioreporter lernen ist die: Gib niemals das Mikro aus der Hand, sonst verlierst du die Kontrolle über das Interview. Aber genau das ist es, was wir ausprobieren wollten. Denn:

Welche Einblicke erlangen wir über die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen in unseren Projekten, wenn wir bewusst auf Kontrolle verzichten? Wenn die Kinder und Jugendlichen selbst entscheiden, was sie sagen, wen sie fragen, worüber sie erzählen und recherchieren? Vielleicht lässt sich nur so etwas über die wahre Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen erfahren?

Mit diesen Ideen sind unsere studentischen Teams in die Eduard-Spranger-Schule in Reutlingen und in die Schillerschule in Aalen gegangen, haben dort das Projekt Klangforscher unseres Kooperationspartners „Stiftung Zuhören“ unterstützt und unseren Ansatz erprobt. Ist es gelungen? Ein bisschen …

 

Medienpartizipation: Erste Erfahrungen

Es gab sie wohl, die Momente, in denen alles so lief, wie wir uns das vorgestellt haben. Kinder haben sich gegenseitig interviewt, Jugendliche haben die O-Töne ausgewählt und geschnitten, andere haben das ganze mit der Kamera festgehalten.

Aber: Ist das schon echte Medienpartizipation? Damit marginalisierte Gruppen an der Gesellschaft teilhaben können, indem sie auch an der Medienproduktion partizipieren, gehört vor allem eines dazu: Teilhabe an Entscheidungsprozessen. Es geht bei echter Partizipation nicht darum, anderen einmal das Mikrofon in die Hand zu drücken und zu sagen: Mach mal!

In unserem Projekt ging das nicht. Der Rahmen war ganz klar gesteckt, die Kinder und Jugendlichen hatten ganz bestimmte Zeitfenster für die Medienarbeit, und am Ende standen wir mit einer Menge Material da. Aus diesem Material, aus O-Tönen, Bildern und Videos, entstehen nun erst die wirklichen publizierten Medienprodukte: Blog-Posts, Radiobeiträge, Filme usw. Und daran sind die Kinder und Jugendlichen nicht mehr beteiligt. Es sind dann die studentischen Teams, die das Material auswählen, die es aufbereiten und schließlich entscheiden auf welcher Plattform es zu sehen sein wird.

Warum? Wo lagen die Probleme?

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Es gab viele Faktoren, die es in unseren Projekten verhindert haben, Partizipation an der Gesellschaft durch Partizipation an den Medien zu verwirklichen.

  • Eines ist die Sprache: Viele der Kinder konnten kein oder fast kein deutsch; schon die einfachsten Gespräche waren immense Herausforderungen.
  • Dann der Faktor Zeit: Wir hatten nur einige Tage mit den Gruppen zusammen – der Gedanke der Teilhabe war in so kurzer Zeit nicht zu entwickeln. Ein Partizipatives Projekt benötigt einen viel größeren Zeithorizont.
  • Aber auch andere Probleme taten sich auf, zum Beispiel die ganz banale Frage: Wie ist das Mikrofon, wie sind die Kameras versichert? Wer kommt für den Schaden auf, wenn mal etwas runterfällt?

Sind die Projekte deswegen gescheitert? Nein! Wir haben durch diese Pilotprojekte wichtige erste Erfahrungen für unser Konzept partizipativer Medienproduktion gesammelt. Und die studentischen Teams haben vielleicht wenigstens einen Funken, eine Idee davon vermitteln können, dass jeder an den Medien partizipieren kann, aktiv und selbstbewusst, dass jeder Mensch auch in den Medien eine Stimme haben kann!

 

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