Das nächste INSPIRE-Projekt steht vor der Tür. Diesmal gehen wir ans Paul-Klee-Gymnasium Rottenburg und produzieren gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern eine Radiosendung.

pkg-flucht

Die Radiowerkstatt ist Teil der Schulprojekttage des PKG, und die stehen in diesem Jahr unter dem Thema „Flucht“. Angeleitet von ihrer Lehrerin Isabel Platz sind die vier Jugendlichen bereits dabei, sich in das Thema einzuarbeiten. Sie schauen dabei in die deutsche Geschichte und haben schon herausgefunden: Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit ist kein Phänomen des 21. Jahrhunderts, sondern stellen schon immer einen Teil von nationaler, europäischer und globaler Geschichte dar.

Berlin_Wall,_Niederkirchnerstraße,_Berlin_1988

Die Radiosendung wird insbesondere auf zwei historische Konstellationen blicken: Die Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg, zum Beispiel aus Ungarn in das Gebiet des heutigen Deutschlands, und die Fluchtgeschichten aus der DDR nach Westdeutschland in der Zeit des geteilten Deutschland.

Eine didaktische Herausforderung

Für die Jugendlichen ist der Themenbereich neu. Sie hatten weder deutsche Geschichte in der Schule noch sind sie mit entsprechenden Familiengeschichten aufgewachsen, denn sie kommen nicht aus Deutschland. Guoyu kommt aus China, Nicole aus Venezuela, Saeid aus Afghanistan und Ivan aus Kroatien. Sie bringen alle ihre eigene Geschichte der Heimatlosigkeit mit und machen dadurch einen Perspektivwechsel möglich: Deutsch-deutsche Migrationsgeschichte, erzählt von Jugendlichen aus aller Welt.

Im Juli ist unser INSPIRE-Team drei Tage lang zu Besuch in der Vorbereitungsklasse; gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern produzieren wir eine ganze Radiosendung über deutsch-deutsche Migrationsgeschichte. Das INSPIRE-Team sind die Studierenden Eva Neugebauer, Lena Schrödl und Philipp Sigle sowie Medienwissenschaftler und Projektkoordinator Kiron Patka.

Warum ausgerechnet Radio?

Radio ist ein Medium, das mit nur einem Sinneskanal auskommt, dem Hören. Wir haben schon oft erfahren (und in diesem Blog darüber geschrieben), dass das Hören in Gruppen eine gute Übung und Praxis ist, sich auf eine gemeinsame Aufgabe zu fokussieren. Gerade für Jugendliche, die sich zum ersten Mal bewusst mit Medienproduktion beschäftigen, ist die Beschränkung auf den auditiven Kanal sinnvoll; so können wir uns ganz auf die Arbeit mit Sound und Stimme beschränken.

Arbeiterfamilie vor dem Radio

Das Thema setzt in der Mitte des 20. Jahrhunderts an, einer Zeit, die medial noch stark vom Radio geprägt ist. Wir können so auf auditive Quellen zurückgreifen, auf historische O-Töne. Und die Schülerinnen und Schüler bereiten schon Interviews mit Zeitzeugen vor – auch diese erzählerische Form, oral history, eignet sich perfekt für die Vermittlung übers Radio.

Schließlich bietet Radio auch die Möglichkeit, mit Musik zu arbeiten. Das knüpft ganz besonders an die Lebenswelt von Jugendlichen an und gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich auch über ihre Lieblingslieder zu artikulieren.

Wir freuen uns auf drei spannende Tage am Paul-Klee-Gymnasium!


Bilder:

Unbekannter Fotograf, „Flüchtlinge“. Bundesarchiv, Bild 146-1985-021-09 / Unknown / CC-BY-SA 3.0.

Roland Arhelger, „Berlin Wall, Niederkirchnerstraße, Berlin 1988“. CC BY-SA 4.0.

Unbekannter Fotograf, „Arbeiterfamilie vor dem Radio“. Bundesarchiv, Bild 146-1978-056-04A / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0.

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